Pressespiegel

Thüringer Algemeine
23.03.2002

HISTORISCHES ENSEMBLE: Das Aquarell des Erfurter Kunstmalers Jürgen Valdeig zeigt Dom und Severi um 1297
Außergewöhnliches Bauensemble
Aus der Stadtgeschichte: Die Entwicklung des Domberges vor rund 700 Jahren
ERFURT
Angesichts der dringend erforderlichen Sanierung an den Domtürmen ist eine Retrospektive auf den Baubeginn vor über 700 Jahren interessant.
Beim Umschreiten des Mariendomes können wir heute erkennen, dass der Nord- und Südturm sowie das westlich anschließende Mauerwerk einer romanischen Bauperiode angehören. Die 1153 begonnene und 1253 geweihte romanische Kirche stellt eine dreischiffige gewölbte Basilika mit Querschiff im Osten dar. Eine Befestigungsanlage zog sich um den Marienhügel, die Reste sind heute noch rechts neben den Domstufen zu erkennen. Dreißig Jahre nach der Weihe des Domes bestand die Notwendigkeit, den Bau zu erweitern. Die Stiftsgeistlichkeit wuchs am Ende des 13. Jahrhunderts auf über 100 Personen an und an den Feiertagen wohnten über 300 Geistliche dem Gottesdienst bei. Im November 1282 erging ein Ablass für den Neubau eines Domchores.
Doch bis zur Grundsteinlegung der gewaltigsten mittelalterlichen Baukonstruktion in Deutschland vergingen noch 67 Jahre. Die Fassade der Ostseite des Domes wurde 1349 durchbrochen und als Chorhals für den davor entstehenden Hohen Chor gestaltet. Die beiden Türme sind zu Beginn des 15. Jahrhunderts um ein Stockwerk erhöht und miteinander verbunden worden, so dass der Mittelturm entstand. Während am Nordturm die romanischen Züge heute noch zu erkennen sind, gestaltete man am Südturm eine gotische Fensterfront. Die 1278 auf den Fundamenten des romanischen Vorgängerbaues begonnene Errichtung der Dreiturmgruppe der Severikirche galt später als bauliches Vorbild für den Dom. Erst 1350, weit vor den Domtürmen, erhielt Sankt Severi, ähnlich der Peterskirche, drei gleiche spitze Turmhelme.
Es ist Aufgabe unserer Generation, dieses Bauensemble für die Nachwelt zu erhalten.
Jürgen VALDEIG

zurück